Delegiertenversammlung 2020 E-Mail
Geschrieben von: Jochem Pieper   

Vor neuen Herausforderungen

Neue Verordnungen, immer mehr Aufgaben, zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehrverband Osterholz hatte bei seiner Delegiertenversammlung in Meyenburg viel Gesprächsstoff.

Foto: Jens Wolf/dpa

Landkreis Osterholz. Neue Verordnungen, mehr Aufgaben, zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte: Der Kreisfeuerwehrverband Osterholz hatte bei seiner Delegiertenversammlung in Meyenburg viel Gesprächsstoff. Bevor die rund 150 Vertreter aus insgesamt 52 Wehren im Landkreis sich im Dorfgemeinschaftshaus das Heringsessen schmecken ließen, war eine umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands und Kreisbrandmeister Jan Hinken begrüßte zur Versammlung vier Gastredner. Harald Stehnken, Bürgermeister der Gemeinde Schwanewede, betonte die Herausforderung, die der oft ehrenamtliche, nicht immer ungefährliche Einsatz der Feuerwehrleute darstelle. Egal, ob kleinere Ortswehr oder Stützpunktwehr – „man kann sich auf euch verlassen", zollte Landrat Bernd Lütjen den Brandschützern Anerkennung. Wichtig sei es, weiterhin mit interessanten Aktionen um Nachwuchs für die Kinder- und Jugendwehren im Landkreis zu werben.

Das Leitsystem "Einsatzleitung Ort" (Elo), das bei größeren Schadenslagen in einzelnen Gemeinden aktiviert wird, hat sich laut Lütjen bewährt. Dies helfe der Feuerwehr, bei besonderen Wetterereignissen Einsätze besser zu koordinieren, meinte auch Jan Hinken. „In einer Gemeinde ist alles ruhig, aber nur vier Kilometer weiter säuft zur selben Zeit alles ab. Das kann man sich oft gar nicht vorstellen", machte der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes das Problem anschaulich.

Der Landtagsabgeordnete Axel Miesner (CDU) hob die wachsenden Aufgaben der rund 127 000 freiwilligen Brandschützer in Niedersachsen hervor. Nicht nur das gerade überstandene Sturmtief Sabine, sondern auch das aktuelle Motto des Kreisfeuerwehrverbands „Mensch, Klima, Feuerwehr“ illustriere die zunehmenden Herausforderungen. Miesner berichtete von einem im Landtag angeregten Rechtsschutzfond. Er soll helfen, wenn Feuerwehrleute während eines Einsatzes behindert oder beleidigt werden. Vom Vorstoß des Gesundheitsministers Spahn, die ambulante, stationäre und rettungsdienstliche Notfallversorgung in einem System zusammenzufassen, zeigte sich Miesner wenig begeistert. Der Feuerwehr-Notruf 112 sei fest in den Köpfen verankert, argumentierte er.

Uwe Quante, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands, sprach die ab Anfang 2021 geplante Neuorganisation des Brandschutzwesens im Land Niedersachsen an. Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Osterholz griff das Thema ebenfalls auf. Vor dem Hintergrund der Überarbeitung des Brandschutzgesetzes hätten die Vertreter der Feuerwehren deutlich gemacht, dass die Wehren nicht auch noch Traditionsumzüge begleiten könnten, sagte Jan Hinken.

Die Brandschützer sehen sich nach seinen Worten mit neuen Herausforderungen konfrontiert, was E-Mobilität, Gebäudeschutz, Hochwasser und ausgedehnte Waldbrände betrifft. Welche Fahrzeuge sind ortsübergreifend notwendig, was ändert sich bei der Dienstgradstärke innerhalb der Kreisfeuerwehrbereitschaft, welche Missstände gibt es im Verhältnis zwischen den freiwilligen Wehren und der Berufsfeuerwehr? Auf diese und andere Fragen gilt es laut Hinken Antworten zu finden.

Respektable Leistung

In seinem Rückblick auf das Jahr 2019 hob er den Regionalentscheid im neuen Modul Atemschutz in Lüneburg und Oldenburg hervor. Platz 22 für die Brandschützer aus dem Kreis Osterholz unter 68 Teilnehmern sei respektabel, meinte Hinken.

2020 stehen neben der Interschutz, der weltweit größten Feuerwehr-Messe im Juni in Hannover, unter anderem die Feuerwehr-Messe in Neu St. Jürgen (26. April), die Stadtpokalwettbewerbe in Hülseberg (16. Mai), die Gemeindewettbewerbe in Schwanewede (13. Juni), der Kreisjugendfeuerwehrtag in Ohlenstedt (27. Juni), mehrere Fahrsicherheitstrainings in Garlstedt und eine Atemschutz-Heißausübung bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Pennigbüttel (28. bis 30. August) an.

Das Thema zunehmender Gewalt gegen Einsatzkräfte griff Volker Schenck vom psychosozialen Notfall-Versorgungsteam (PSNV) der Kreisfeuerwehr Osterholz auf. Das PSNV-Team hilft Feuerwehrleuten beim Umgang mit außergewöhnlichen Belastungen im Einsatz. Wenn Rettungskräfte bei ihrem Einsatz behindert und beleidigt oder gar angegriffen werden, dürfe man sich nicht wundern, wenn ehrenamtliche Kräfte ihren Dienst quittieren wollten, meinte Schenck. Glücklicherweise trete das Problem bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Osterholz noch nicht allzu häufig auf.

Landrat Bernd Lütjen ehrte im Rahmen der Versammlung 19 Brandschützer aus dem Landkreis für 40-jährige aktive Mitgliedschaft. Ortsbrandmeister Dirk Schriefer aus Schmalenbeck, Ortsbrandmeister Wolfgang Tunnat aus Axstedt und der stellvertretende Stadtbrandmeister Michael Dierschauer aus Hülseberg erhielten das Ehrenzeichen des Deutschen Feuerwehrverbandes in Silber.

Seine nächste Delegiertenversammlung richtet der Kreisfeuerwehrverband Osterholz am 26. Februar 2021 in Worpswede aus.

Text: Osterholzer Kreisblatt Alexander Bösch