Moderne Fahrzeugtechnik für die Personenrettung bei Verkehrsunfällen E-Mail
Geschrieben von: Uwe Knop   

20120705-Weber-thumbWorpswede. Im Juni wurde das neue hydraulische Rettungsgerät aus dem „Weber Rescue System“ geliefert und damit konnte auch der längst beschlossene Umbau des VGW’s vorgenommen werden. Man entfernte die vorhandene Lightwater-Anlage im Heck des Fahrzeuges und verbaute dafür einen Schlitten zur Aufnahme des neuen, 73 kg schweren Hydraulik-Aggregates E50-T+SAH20 mit angebauter Schnellangriffshaspel und 2x20 m Höchstdruckschlauchpaaren mit Kupplungen.

Beide Haspeln sind unabhängig voneinander, auch unter Druck, abziehbar. Die integrierte Pumpe ist auch für den parallelen Betrieb von mehreren Rettungsgeräten ausgelegt. Das 4 l Ölvolumen ist dabei so bemessen, dass selbst nach dem Ausfahren mehrerer Rettungszylinder das Arbeiten mit Rettungsschere oder Rettungsspreizer möglich bleibt. Der 230 V Elektromotor erreicht bei 1,3 kw einen Betriebsdruck von 630 bar. Außerdem wurde noch ein extrem leichtes und handliches Aggregat „E-COMPACT“ mit einem Anschluss und sehr hoher Förderleistung, jedoch kleinem Einbaumaß angeschafft.

Getreu dem Motto „Der Job ist schwer genug, da sollte wenigstens das Anschließen der Geräte einfach sein“ entschloß man sich, alle vorhandenen hydraulischen Rettungsgeräte auf die neue Single-Kupplung umzurüsten. Sie macht das Arbeiten mit Rettungsgeräten und Aggregaten jetzt noch schneller und unkomplizierter. Es ist ein neuartiges Koaxial-Kupplungssystem für Zweischlauchsysteme, das es ermöglicht, die bisher getrennten Leitungsanschlüsse mit einem Handgriff zu kuppeln. Damit werden alle Vorteile eines Zwei- schlauchsystems in Punkto Schlauchquerschnitt und damit maximalem Durchfluss sowie dem Abfangen von Druckspitzen kombiniert mit der optimierten Handhabung der Single-Kupplung. Ein spezielles Ventilsystem ermöglicht es zudem das Rettungsgerät auch bei anstehendem Druck an- bzw. abzukuppeln. Somit entfällt das Drucklos-Schalten der Leitungen am Aggregat wodurch man während des Einsatzes noch schneller und flexibler agieren kann. Die Single-Kupplung ist im gekuppelten Zustand frei um 360° drehbar und durch den Bajonettverschluss auch mit Schutzhandschuhen schnell und sicher zu bedienen.

Beim Spreizer, auch Rettungsspreizer genannt vertraut man auf den bisherigen SPREIZER SP 40 mit einer Spreizkraft im Arbeitsbereich von 55-130 kN und einer Öffnungsweite von 710 mm bei einem Gewicht von 20,3 kg. Mit zwei Haltegriffen, davon ein Griff klappbar und dem Zylindergehäuse mit Armen aus hochfester Aluminiumlegierung und verschleißfesten Oberflächen sorgt die Druckknopf-Steuerung für feinfühliges, millimetergenaues Arbeiten. Der SP 40 dient zum Auseinanderspreizen, beispielsweise von verklemmten oder deformierten Autotüren oder zum Wegdrücken von Wrackteilen. Er kann allerdings auch zum Zusammendrücken oder Anheben verschiedener Materialien benutzt werden.

Mit dem neuen Schneidgerät RSX 200-107 plus entschied man sich für die neuartige X-treme Schneidtechnologie der Firma Weber. Die über Kreuz schließenden Hochleistungsmesser garantieren einen unerreichten Einzug und ermöglichen es, die gesamte Kraft der Scheren im Einsatz zu nutzen. Die Öffnungsweite beträgt 200 mm, die max. Schneidkraft 107 t, die max. Schneidleistung bei Rundmaterial 43 mm und das Gewicht beträgt 20,9 kg. Die Rettungsschere dient zum Durchtrennen von Materialien, bei einem Verkehrsunfall beispielsweise zum Abtrennen des Autodaches. Dabei eignen sich die bei dieser Schere auswechselbaren Messereinsätze aus Speziallegierung zum Schneiden von vergüteten und gehärteten Fahrzeugteilen.
So ausgerüstet wurden am 30. Juni 15 Kameraden der Worpsweder Ortsfeuerwehr von einem Mitglied des WEBER RESCUE TEAM über die moderne Fahrzeugtechnologie in Fahrzeugen der neueren Generation unterrichtet. Die immer weiter fortschreitende Verbesserung der passiven Sicherheit im PKW-Bereich bringt durch die in den Fahrzeugen verbauten hochfesten Materialien und Spezialprofile zusätzliche Probleme für die Feuerwehren mit sich. Speziell im Dach- und Schwellerbereich werden besondere Stahllegierungen verbaut, die mit einem Großteil der Schneidgeräte nicht mehr geschnitten werden können.

So sind zum Beispiel die B-Säulen moderner Pkws so stabil gearbeitet, dass Rettungsscheren mit einer max. Schneidkraft von über 1,25 MN im Einsatz sind. Diese starken Rettungsscheren sind wegen ihres hohen Eigengewichts nicht einfach zu handhaben. Neue Fahrzeugtechniken und die Vielfalt der am Straßenverkehr teilnehmenden Fahrzeuge stellen die Feuerwehren immer wieder vor neue Herausforderungen. Um in diesen Situationen vorbereitet zu sein, gilt es verschiedene Unfallszenarien zu trainieren und Wissen über die verwendete Technik zu erlangen. Bei den anschließenden praktischen Übungen wurde das vorher gehörte in die Tat umgesetzt und alle fuhren mit der Gewissheit nach Hause, am heutigen Tage sehr viel über neue Rettungstechniken gelernt zu haben und diese auch im Einsatz anwenden zu können. Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich noch einmal beim Ausbilder und seiner hervorragenden Schulung in Theorie und Praxis.