Spannung bei jedem Löscheinsatz - Schulung zu Photovoltaik-Anlagen E-Mail
News - 2010

20101104_KB_STFWOHZ_Photovoltaik_thumbOSTERHOLZER KREISBLATT - 04.11.2010:

Von Christian Valek Osterholz-Scharmbeck. Die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Osterholz-Scharmbeck haben sich in Sachen "Photovoltaik" weitergebildet. Fred Tienken, Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der Firma Automatisierungskomponenten und -Systeme GmbH (aukos), informierte leitende Brandschützer aus dem Stadtgebiet über den Aufbau stromproduzierende Solaranlagen. Ein Handlungsschema soll Brandbekämpfung von Photovoltaikanlagen zukünftig effizienter und für Einsatzkräfte sicherer machen.

"Das Löschen mit Wasser ist bei stromerzeugenden Solaranlagen kein Problem", versicherte Tienken. Wie beim Löscheinsatz bei Wohnungs- und Wohnhausbränden sei es wichtig, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu spannungsführenden Teilen einzuhalten. Dieser betrage je nach Spannung und Löschstrahl zwischen einem und zehn Metern, hieß es. "Auch bei gewöhnlichen Hausbränden geht von der 400-Volt-Stromleitung, die von der Straße ins Haus führt, eine gewisse Gefahr aus", erinnerte Tienken die Kameraden im Sitzungssaal des Rathauses.

Die zusätzliche Dachlast durch Photovoltaik-Elemente (PV) stelle eine größere Gefahr für Einsatzkräfte dar. Je nach Art und Anzahl der PV-Elemente müssen Dach-stühle ein tonnenschweres Zusatzgewicht tragen. Bei der Brandbekämpfung und bei Nachlöscharbeiten müssten Kameraden mit erhöhter Einsturzgefahr der Gebäude rechnen, so seine Warnung.

Feuerwehrleute müssen im Einsatz an Gebäuden mit Photovoltaik-Anlagen außerdem mit herabfallenden PV-Elementen und Modulteilen vom Dach des Brandobjektes rechnen. Ganze Platten könnten sich aus den Halterungen lösen und herabrutschen. Obendrein könne das Deckglas der Solarmodule durch die Hitze zerbersten. Der Schaden sei ähnlich wie bei Sicherheitsglas von Autoscheiben.

Zur Sicherung des Brandortes müssten Löschkräfte besonders umsichtig sein. "Brandbekämpfer sollten am Einsatzort und bei Absperrung des Gefahrenbereichs den erweiterten Trümmerschatten beachten", so sein Hinweis.
Ebenso müssten sich Brandbekämpfer wie bei gewöhnlichen Bränden auf toxische Gase und auf die Ausbreitung des Brandes durch mögliche Kaminwirkung bei auf dem Dach aufgesetzten PV-Elementen einstellen. "Im Brandfall werden Solarmodule durch Hitze der Flammen beschädigt", so Tienken. Lötzinn und Kunststoffrückwand der in Aluminium eingerahmten Elemente, würden schmelzen. "Trotzdem können einzelne Platten bei Lichteinfall weiter Strom produzieren", warnte der Referent.

Einsatzkräfte sollten besonders die Kabelverbindung vom Solarelement zum sogenannten Wechselrichter im Auge behalten. Abisolierte und verschmorte Kabel, die in Gebäude herabhängen, könnten zusätzliche Gefahrenpunkte bei Löscharbeiten sein. "Kein Sinnesorgan warnt Menschen vor den Gefahren durch Elektrizität. Man muss die Gefahren kennen und durch sicheres Arbeiten versuchen, Unfälle zu verhüten", so Tienken.

Ein anschließender Film verdeutlichte den Teilnehmern die Gefahr und Wirkung durch Elektrizität. "Uns geht es darum, keine Angst vor derartigen Anlagen zu haben. Wir gehen im Einsatz mit Umsicht und Verstand an die Brandbekämpfung", fasste Osterholz-Scharmbecks stellvertretender Stadtbrandmeister, Jan Hinken, den Bedarf für die Schulung zusammen.

Hinken widersprach jüngsten Meldungen, wonach Brandbekämpfer in Ostfriesland ein Gebäude angeblich wegen einer auf dem Dach montierten Photovoltaik-Anlage nicht löschen wollten. Derartige Berichte würden die unbegründete Angst von Bürgern schüren: "Die besonderen Umstände am Brandort machten es damals den Einsatzkräften unmöglich", stellte Hinken klar. "Wir löschen jeden Brand, auch dann, wenn eine PV-Anlage auf dem Dach des Hauses installiert ist", versicherten Stadtbrandmeister Thomas Wulff und Stellvertreter Jan Hinken.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 04.11.2010


Zusatzinformation:

Der Deutsche Feuerwehrverband hat ein Infoportal eingerichtet. Mehr dazu in diesem Beitrag auf unserer Internetseite.

Spannung bei jedem Löscheinsatz
Photovoltaik-Spezialist informiert Führungskräfte der Stadtfeuerwehren über stromproduzierende Solaranlagen



 
Von Christian Valek Osterholz-Scharmbeck. Die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Osterholz-Scharmbeck haben sich in Sachen "Photovoltaik" weitergebildet. Fred Tienken, Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der Firma Automatisierungskomponenten und -Systeme GmbH (aukos), informierte leitende Brandschützer aus dem Stadtgebiet über den Aufbau stromproduzierende Solaranlagen. Ein Handlungsschema soll Brandbekämpfung von Photovoltaikanlagen zukünftig effizienter und für Einsatzkräfte sicherer machen.
"Das Löschen mit Wasser ist bei stromerzeugenden Solaranlagen kein Problem", versicherte Tienken. Wie beim Löscheinsatz bei Wohnungs- und Wohnhausbränden sei es wichtig, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu spannungsführenden Teilen einzuhalten. Dieser betrage je nach Spannung und Löschstrahl zwischen einem und zehn Metern, hieß es. "Auch bei gewöhnlichen Hausbränden geht von der 400-Volt-Stromleitung, die von der Straße ins Haus führt, eine gewisse Gefahr aus", erinnerte Tienken die Kameraden im Sitzungssaal des Rathauses.
Die zusätzliche Dachlast durch Photovoltaik-Elemente (PV) stelle eine größere Gefahr für Einsatzkräfte dar. Je nach Art und Anzahl der PV-Elemente müssen Dach-stühle ein tonnenschweres Zusatzgewicht tragen. Bei der Brandbekämpfung und bei Nachlöscharbeiten müssten Kameraden mit erhöhter Einsturzgefahr der Gebäude rechnen, so seine Warnung.
Feuerwehrleute müssen im Einsatz an Gebäuden mit Photovoltaik-Anlagen außerdem mit herabfallenden PV-Elementen und Modulteilen vom Dach des Brandobjektes rechnen. Ganze Platten könnten sich aus den Halterungen lösen und herabrutschen. Obendrein könne das Deckglas der Solarmodule durch die Hitze zerbersten. Der Schaden sei ähnlich wie bei Sicherheitsglas von Autoscheiben.
Zur Sicherung des Brandortes müssten Löschkräfte besonders umsichtig sein. "Brandbekämpfer sollten am Einsatzort und bei Absperrung des Gefahrenbereichs den erweiterten Trümmerschatten beachten", so sein Hinweis.
Ebenso müssten sich Brandbekämpfer wie bei gewöhnlichen Bränden auf toxische Gase und auf die Ausbreitung des Brandes durch mögliche Kaminwirkung bei auf dem Dach aufgesetzten PV-Elementen einstellen. "Im Brandfall werden Solarmodule durch Hitze der Flammen beschädigt", so Tienken. Lötzinn und Kunststoffrückwand der in Aluminium eingerahmten Elemente, würden schmelzen. "Trotzdem können einzelne Platten bei Lichteinfall weiter Strom produzieren", warnte der Referent.
Einsatzkräfte sollten besonders die Kabelverbindung vom Solarelement zum sogenannten Wechselrichter im Auge behalten. Abisolierte und verschmorte Kabel, die in Gebäude herabhängen, könnten zusätzliche Gefahrenpunkte bei Löscharbeiten sein. "Kein Sinnesorgan warnt Menschen vor den Gefahren durch Elektrizität. Man muss die Gefahren kennen und durch sicheres Arbeiten versuchen, Unfälle zu verhüten", so Tienken.
Ein anschließender Film verdeutlichte den Teilnehmern die Gefahr und Wirkung durch Elektrizität. "Uns geht es darum, keine Angst vor derartigen Anlagen zu haben. Wir gehen im Einsatz mit Umsicht und Verstand an die Brandbekämpfung", fasste Osterholz-Scharmbecks stellvertretender Stadtbrandmeister, Jan Hinken, den Bedarf für die Schulung zusammen.
Hinken widersprach jüngsten Meldungen, wonach Brandbekämpfer in Ostfriesland ein Gebäude angeblich wegen einer auf dem Dach montierten Photovoltaik-Anlage nicht löschen wollten. Derartige Berichte würden die unbegründete Angst von Bürgern schüren: "Die besonderen Umstände am Brandort machten es damals den Einsatzkräften unmöglich", stellte Hinken klar. "Wir löschen jeden Brand, auch dann, wenn eine PV-Anlage auf dem Dach des Hauses installiert ist", versicherten Stadtbrandmeister Thomas Wulff und Stellvertreter Jan Hinken.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 04.11.2010
 

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