Drehleiter und Einsatzleitwagen in Lilienthal in Dienst gestellt E-Mail
News - 2010

Die neue Drehleiter der Ortsfeuerwehr Lilienthal-FalkenbergDer 04. Dezember 2009 war in der Geschichte der Ortsfeuerwehr Lilienthal/Falkenberg sicherlich ein einmaliges Datum. Gleich zwei neue Einsatzfahrzeuge konnten im Rahmen einer Feierstunde von Bürgermeister Willy Hollatz an die Ortsfeuerwehr offiziell übergeben werden. Hierbei handelt es sich zum einen um eine neue Drehleiter DLA(K) 23/12 und einen ELW 1.  

Neue IVECO-Drehleiter DLA(K) 23/12 Vario CS

Bereits im Herbst 2007 beschäftigten wir uns im Rahmen eines Arbeitskreises mit der Planung eines Nachfolgefahrzeuges unserer bisherigen Metz-Drehleiter aus dem Jahr 1979. Die alte Leiter hatten wir im Jahr 1999 von der BF Bremen, der damaligen Wache 7, übernommen. Trotz einer Generalüberholung war klar, dass die Lebensdauer des Fahrzeugs wohl nicht länger als zehn Jahre sein wird. Deshalb wurde bereits damals im Rahmen der langfristigen Finanzplanung die Neubeschaffung für das Jahr 2009 geplant. 

Drehleiter angeleitertAls die Mittel im Februar 2008 durch den Gemeinderat Lilienthal freigegeben wurden, begann die "heiße" Planungsphase. So haben wir uns diverse Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller angeschaut und die technischen Merkmale eingehend verglichen.

Wir entschieden uns dabei bewusst gegen eine Gelenk-Drehleiter, da dies aufgrund der baulichen Situation in Lilienthal nicht erforderlich ist und die Drehleiter ohne Gelenk bessere Ausladungswerte aufweist.

Nach der Erstellung des Leistungsverzeichnisses konnten wir Anfang September den Auftrag gemäß den Normen DIN EN 1846-1 und DIN EN 14043 europaweit im offenen Vergabeverfahren ausschreiben. Nach erfolgter Angebotsfrist und anschließender Angebotsauswertung konnte die Gemeindeverwaltung den Zuschlag für das Los 1 „Fahrgestell" an die Daimler AG, Bremen (Niederlassung Weser-Ems) sowie für das Los 2 „ Aufbau inkl. der feuerwehrtechnischen Beladung" an die Firma Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH aus Ulm vergeben.

Beim Fahrgestell entschieden wir uns für einen Mercedes-Benz Atego 1529 F mit Allison 5-Gang Automatikgetriebe und einer Motorleistung von 210 KW. Wir verzichteten bewusst auf eine vollwertige Truppbesatzung von 1/2 zugunsten mehr Platz für feuerwehrtechnische Beladung und Stauraum für die mitzuführende persönliche Schutzausrüstung im Fahrerhaus. Innerhalb der Kabine wurde eine einheitliche Anordnung der Schalter und Bedienelemente für die Sondersignalanlage eingebaut. Diese Bedienkonsole findet sich auch im LF 20/16, welches im Jahr 2007 beschafft wurde, sowie im neuen ELW 1. Zusätzlich kann das Einsatzhorn auch mittels Fußtaster bedient werden, so dass der Maschinist bei der Einsatzfahrt stets beide Hände am Lenkrad lassen kann.

Weitere Merkmale unser neuen IVECO-Magirus DLA (K) 23/12 Vario CS sind:

  • Aktive Schwingungsdämpfung CS (CS=Computer stabilized): Das dynamische Verhalten der Leiter bei höheren Fahrgeschwindigkeiten wird durch ein spezielles Software-Programm erfasst und Schwingungen des Leitersatzes aktiv gedämpft.
  • DLK4_thumbRettungskorb RK 270: Der Rettungskorb ist permanent an der Leiterspitze angebracht und wird während des Abstützvorganges der Vario-Abstützung in Arbeitsstellung abgesenkt. Die Grundfläche ist für 3 Personen und die Belastungsmöglichkeit für 270 kg ausgelegt. Am Rettungskorb befinden sich zwei sog. Multifunktionssäulen, in denen bei Bedarf folgendes Zubehör eingesteckt werden kann:
  • Eine Krankentragenlagerung für DIN-Krankentragen und Adaptern für Schleifkörbe (Korbtragen) mit einem maximalen Gewicht von 200 kg,
  • eine Halterung für ein Auf-/Abseilgerät
  • eine separate Halterung für einen elektrisch betriebenen Überdrucklüfter. Der Lüfter selbst wird an der rechten Seite des Drehkranzes mitgeführt.
  • Ein Wenderohr mit Hohlstrahlrohrdüse mit einer maximalen Werferleistung von 1600 l/min. Das Wenderohr wird über einen B35-Druckschlauch gespeist, der an eine im letzten Leiterelement fest verlegte Wasserzuführung angekuppelt werden kann.
  • Aufnahmemöglichkeit für einen Beleuchtungscontainer mit zwei 1000 Watt Halogenscheinwerfern. Neben diesem Beleuchtungscontainer verfügt die Drehleiter über je einen am Rettungskorb rechts und links fest montierten Xenon-Scheinwerfer, zusätzlich sind am ersten Leiterteil je rechts und links ein Xenon-Scheinwerfer angebracht. Somit kann die Drehleiter auch gut als Lichtmast zur Einsatzstellenbeleuchtung eingesetzt werden.
  • Start- / Stopp-Fernbedienung für tragbaren Stromerzeuger (13 kVA) vom Korb- und Hauptbedienstand aus.
  • ein Druckluftanschluss auf der linken Seite hinter dem Fahrerhaus. Hier kann ein 15m langer Druckluftschlauch angeschlossen werden, um mit diesem beispielsweise Kettensägen direkt nach dem Einsatz zu reinigen. Aber auch der - für Magirus-Drehleitern ungewöhnliche - voll verblechte Korbboden kann über die Druckluftversorgung problemlos ausgeblasen und so gesäubert werden.
  • Verstärkter Leitersatz zum Heben und Senken von Lasten bis 4,0 t

Aus der Sicht des Drehleiter-MaschinistenDa in der Gemeinde Lilienthal in Kürze mit der Erweiterung der Straßenbahn-Linie 4 aus Bremen begonnen wird, wurde die Drehleiter mit einer weiteren Seltenheit bei Magirus-Drehleitern, der so genannten „Straßenbahnfunktion", ausgestattet. Mithilfe dieser Software-Option ist es möglich, den Rettungskorb während des Abstützvorganges in Fahrtstellung zu belassen (normalerweise klappt dieser dabei in Arbeitsstellung!). Der Leitersatz kann so aus der Leiterablage – ohne aufgeklappten Korb – herausgefahren und sicher unter einer Straßenbahnoberleitung herausgedreht werden. Anschließend wird der Korb durch den Drehleiter-Maschinisten vom Hauptbedienstand aus aufgerichtet.

Die Drehleiter wurde mit einer im Anhang zur Norm aufgeführten feuerwehrtechnischen Beladung versehen. Dabei wurden sinnvolle Zusatzbeladungen integriert. So wurde beispielsweise besonderer Wert auf eine erweiterte Ausrüstung zur Verkehrsabsicherung gelegt. Insgesamt 4 faltbare Verkehrsleitkegel und 4 Warn-Blitz-Leuchten können nun eine Sicherung gegen den fließenden Verkehr darstellen. Außerdem ergänzen ein Gerätesatz Absturzsicherung, ein Rettungsbrett, eine Schleifkorbtrage mit Abseilspinne sowie eine Auf-und Abseilgerät die Beladung. Für die passive Sicherheit tagsüber und bei Dunkelheit wurde die Drehleiter seitlich, auch am Leitersatz, mit einer Konturmarkierung nach ECE R-104 und am Heck mit rot-weißer reflektierender Warnmarkierung beklebt. Das auffällige blau-gelbe Design - die Farben Lilienthals - wurde in abgewandelter Form von der Feuerwehr im belgischen Antwerpen übernommen.  

Um die Einsatzkräfte der Feuerwehr Lilienthal/Falkenberg, die künftig die Drehleiter einsetzen werden, in allen technischen und einsatztaktischen Belangen mit dem Hubrettungsfahrzeug zu schulen, wurde zeitgleich mit der Beschaffung ein neues Ausbildungskonzept für Drehleiter-Maschinisten und Einheitsführer erarbeitet. Als Grundlage hierfür diente die „Empfehlung für die Aus- und Fortbildung an Hubrettungsfahrzeugen" des TEAMS DREHLEITER.info (vgl. www.drehleiter.info).

Das Ergebnis ist eine 40 Stunden umfassende Ausbildung, aufgebaut in neun unterschiedlichen Modulen. Diese Ausbildungs-Bausteine wurden bisher von insgesamt 15 Feuerwehrangehörigen in der Zeit vom 1.Oktober bis zum 15. November 2009 absolviert. Die nächsten Maschinisten werden Anfang 2010 ausgebildet. 

Bei Rückfragen: Lars van den Hoogen, stellv. Zugführer OFW Lilienthal/Falkenberg, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Neuer ELW1 bei der Ortsfeuerwehr Lilienthal/Falkenberg 

ELW 1 - Ortsfeuerwehr Lilienthal-FalkenbergAufgebaut wurde das Fahrzeug auf einem 3,5 to Mercedes Sprinter 315cdi Straßen-Fahrgestell mit 150 PS und Automatikgetriebe. Den feuerwehrtechnischen Ausbau, der die DIN 14507 erfüllt, übernahm die Firma GSF im emsländischen Twist (www.gsf-twist.de), die nach dem Gewinn einer beschränkten Ausschreibung den Auftrag als Generalunternehmer abwickelte.

Aufgabenstellung:

Der im Einsatzfall mit einem Führungsassistenten (ZF) und einem Führungsgehilfen (GF) ausrückende ELW bietet dem Einsatzleiter vor Ort eine komplette Kommunikationseinheit der Führungsstufe C.

Neben der funktechnischen Ausstattung im 4- und 2-Meter-Wellenbereich die durch eine Uher „ATIS IR44" Kurzzeitdokumentationsanlage überwacht werden, wurde eine komplette Vorrüstung für den Einbau von 3 Digital-Funkgeräten durch den Aufbauhersteller realisiert. Weiterhin besteht über 2 D-Netz-Telefone und einen über ein „coM.sat TRF" Gateway angebundenes Faxgerät sowie einen mobilen Internetanschluss Kontakt zur Außenwelt. Die Internetanbindung erfolgt über ein erstmals in einem Feuerwehrfahrzeug verbauten, ursprünglich als Kommunikationszentrale für den Maybach entwickelten „CAR-A-WAN" Mobil Router (www.ipmotion.de). Zwei feuerwehreigene Laptops können über LAN-Kabel netzwerkbasierend oder im „stand-alone" Betrieb genutzt werden.

Die fernmeldetechnische Ausstattung ist bis auf wenige Bedienteile komplett, im nicht sichtbaren Bereich verbaut. Ein Zugang ist durch großzügig dimensionierte Wartungsklappen möglich.

Um einen Betrieb der Kommunikationstechnik auf der Anfahrt und an der Einsatzstelle sicherstellen zu können, wurde ein 4kVA Leab „Dynawatt 4000+" Generator (www. leab.de) fest eingebaut, der auch den gleichzeitigen Betrieb des in der Beladung mitgeführten Powermoon „Picolo" (www.powermoon.de) ermöglicht.

Arbeitsplätze im ELW 1Klare Gliederung der Arbeitsplätze:

rechts Führungsgehilfe: bedient 2-Meter-Funk, führt Einsatztagebuch auf Laptop, Internet- Kommunikation

links Führungsassistent: bedient 4-Meter-Funk, Telefon und Fax, führt ggf. die Lagekarte

Alle 4 Sitzplätze des Fahrzeuges sind auf Drehsockeln gelagert, so dass je nach Bedarf ein Schwenken in Arbeits- oder Besprechungsstellung möglich ist.

Neben einer umfangreichen feuerwehrtechnischen Beladung verfügt der ELW1 auch über eine sanitätsdienstliche Ausstattung mit Rettungsrucksack, elektrischer Absaugpumpe und vollautomatischem Defibrillator „Powerheart AED G3 Auto" von Cardiac Science (www.cardiacscience.de).

Heckansicht des ELW Auf Sicherheit geachtet ... Reflektierende Schriftzüge, Konturmarkierung an der Seitenfläche und Schraffur am Heck, Umfeldbeleuchtung und Sondersignalanlage in LED-Technik.

Die rote Kennleuchte am Heck kennzeichnet die Einsatzleitung, sie ist während der Fahrt automatisch abgeschaltet.

Der ELW 1 ist neben seinen eigentlichen Aufgaben in der Ofw. Lilienthal/Falkenberg und im Umweltzug des Landkreises Osterholz ein Führungsmittel, auf das alle Lilienthaler Ortsfeuerwehren zurückgreifen können.

Dirk Hildebrand - Rückfragen oder Informationen unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren